Zurück in die Urzeit. Paläo Fiction

Die Faszination an apokalyptischen Szenarien rührt einerseits sicher von der christlichen Prägung der westlichen Welt her. Andererseits ist das Gedankenspiel, wie es um die letzten Dinge und die letzten Tage steht, infolge diverser Popularitätsschübe in den Fokus einer größeren Masse von Menschen gerückt. Die Schübe wurden medial verursacht, durch das breitenwirksame Medium des Kinos und Fernsehens verstärkt.

Die entsprechende Literatur verfügt dabei nicht über eine vergleichbare mediale Aufmerksamkeit. Sie greift nicht nur apokalyptische, sondern ebenso paläontologische Inhalte auf. Ein gemeinsames Charakteristikum mag die Überlegung sein, was vor und nach aller Zeit sei.

Vor der Zeit ist die schriftlose Kultur gemeint; diese Romane und Kurzgeschichten thematisieren vorzeitliche Geschehnisse. Der Anteil von Spekulation ist hoch: einerseits stellt sich die Frage nach Wortwahl und Stil – welche Sprache nutzten die frühen Menschen, waren gewisse abstrakte Kategorien bereits entwickelt, kann also für Menschen im 19., 20. und 21. Jahrhundert eine paläontologische Handlung, besser: eine Handlung, die in der vorgeschichtlichen Zeit lokalisiert ist, spannend erzählt werden? In exemplarischen Analysen wird dieser Frage später nachgegangen.

Nach der Zeit spekuliert in Roman- oder Prosaform über das Ende menschlicher Zivilisation, die Archivierung setzt aus, das Kulturgut liegt möglicherweise tief unter der Erde (vgl. der Kulturgutschutzbunker bei Oberried im Barbarastollen), der Nuklearkrieg hat das Ende der urbanen Kultur besiegelt, das Ende der Geschichte wurde nicht durch den Verlust der von Francois Lyotard beschriebenen Großen Narrative eingeläutet. Bomben haben die Menschheit in die Steinzeit zurückgeworfen. Die Katapulte, die in den »Mad Max«-Filmen zu sehen sind, stehen symbolisch, parataktisch für den Erzählmodus. Der Autor versetzt sich in die Situation, Technologie, Kultur und Politik verloren zu haben.

Die Analyse der Post-Apokalypse in den Romane und Filmen zeigt, dass sich aber das Sozialwesen trotz der Katastrophe nicht aufgelöst, jedoch deutlich transformiert hat.