Okkulter Sound & Kunst

Im April 2019 ist der Sammelband Okkulte Kunst von Alexander Graeff (Hg.) bei transcript (Bielefeld) erschienen.

Ausgangspunkt des Buchs ist die Beobachtung, dass Ausstellungen  und Buchveröffentlichungen okkulte Kunst in den Fokus nehmen, und zwar nicht nur als historischen Gegenstand, sondern als Inhalt & Form zeitgenössischer Kunst. Die Frage, was okkulte Kunst und wie sie sei, durchzieht die Beiträge mal mehr, mal weniger.

Mein eigener Beitrag „Okkulter Sound. Über Narration von Hörbarkeit“ versucht, eben das zu bestimmen: Wie klingt okkulter Sound? Welche Eigenschaften besitzen Musikgruppen, die sich selbst so bezeichnen oder die von fremder Seite so wahrgenommen werden? Ich führe mehrere Beispiele an, vor allem aus Rock und Metal. Ein bekannteres Beispiel sind Therion aus Schweden. Ihre Bühnenshows wie auch das Konzept ihrer Alben unterstützen den Eindruck, hier höre man okkulten Sound. Dann wäre okkulter Sound vorwiegend eine Sache des Inhalts. Denn Gruppen, die ähnlich wie Therion klingen, werden nicht als okkult wahrgenommen.

Wäre dann okkult ein Sound, der undeutbar bleibt? Die Szene mit dem schwarzen Monolith aus Stanley Kubricks „Space Odyssey“ wäre solch ein Beispiel. Wobei es unklar bleibt, ob der Monolith selbst diese Musik ‚ausströmt‘. Zunächst hört man die Musik aus Ligetis Requiem, es wirkt außerhalb der Filmhandlung, es ist Soundtrack. Gegen Ende jedoch explodiert der Sound in einen schrillen Ton. Die Astronauten halten sich mit den behandschuhten Händen die Helme (als ob sie diesen Ton abstellen wollten, aber die Hände erreichen die Ohren nicht).
Okkult wäre dieser Sound, weil sein Ursprung ungeklärt bleibt. Wie hängt er zudem mit dem zwar bedrohlich klingenden, aber komponierten Stück Ligetis zusammen? Erzählerisch öffnen sich hier zwei Ebenen: eben der Soundtrack zur Untermalung der Handlung und dann der kosmische Klang, der die Astronauten überrascht und quält. Im Essay gehe ich auf diese nun neu aufgetauchte Frage nicht ein. Zu viel möchte ich zu Okkulte Kunst nicht verraten.

9 weitere Autor*innen teilen sich mit mir das Interesse an okkulter Kunst in diesem Band. Während zwei Aufsätze zur Geschichte und Systematik der okkulten Kunst (Graeff) wie auch zu Okkultismen, die eine Rolle bei diesem Sammelband spielen könnten (Wagenseil), einführen, behandeln die restlichen acht Aufsätze verschiedene Aspekte und Künstler*innen: Platon, Sappho, Lucas Cranach der Ältere, Francis Bacon, Paul Celan, Gustav Meyrink, Justinus Kerner, E.T.A. Hoffmann, Clemens Brentano, John Burnside und viele andere. Auf den ersten Blick, beim kursorischen Lesen gewinne ich den Eindruck einer exemplarischen Analyse, die aber gerade durch ihre Offenheit für verschiedene Zeiten und Okkultsysteme einen repräsentativen Charakter gewinnt. Klar ist, dass die Fülle an möglichen Themen, Aspekten und Personen nicht auf 250 Seiten gepackt werden kann. Alexander Graeffs (Hg.) Band zur „okkulten Kunst“ führt in ein Thema ein, das zwar seit einigen Jahrzehnten bearbeitet wird, sich dennoch nach wie vor unter dem Radar vieler interessierter Menschen bewegt.

Woran das liegt, soll Thema eines bald hier erscheinenden Aufsatzes zu sein. Vorerst sei – trotz meiner Beteiligung (oder gerade deswegen?) – eine Empfehlung ausgesprochen.

Alexander Graeff (Hg.): Okkulte Kunst, transcript

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.