Smart City Expo in Barcelona

Ein erster Rück-, Stand- und Vorblick, wenn das überhaupt geht: der frontale Janusblick.

Doppelgesichtigkeit besitzt einen schlechten Beigeschmack. Besser ist Parallelität: Die Expo im Titel steht für die Messe der Kommunen, Städte, Regionalregierungen und der Unternehmen. Ohne Produktion, ohne Technologie und ohne Infrastruktur, die gebaut und gewartet werden muss, gibt es keine Städte und als Konsequenz auch keine Smart Cities. Der Begriff ist schillernd. Auf der mittlerweile 7. Smart City Expo in Barcelona kristallisieren sich Definitionen heraus. Vor allem bereits bestehende und fortlaufende Projekte stecken die Definitionen ab.

Unternehmen wie Cisco oder Huawei bieten Gesamtlösungen an. Huawei spricht von einer Plattform für andere Systeme, die die einzelnen Städte für ihre Smart-City-Transformation einsetzen. Es geht um Datenmengen, alltägliche städtische Verrichtungen wie Müllabfuhr, Verkehrsüberwachung, Anträge – die auf digitalen Kanälen erledigt werden. Persönliche Präsenz ist nicht mehr bei allen Vorgängen notwendig.

Huawei geht noch weiter und spricht von einem Nervensystem der Smart City, das von einem Hirn gesteuert und von einem Herz betrieben wird. Die Technologie und damit Smart Cities sind positiv besetzt. Die Aktualisierung der Stadtnetzwerke führt zu einer Verbesserung der Lebensverhältnisse. Ja. Aber das ist nur eine Seite der Apparatur.

Mensch mit Nerven

Huawei Slide, Media Briefing vom 14.11.2017

Die Technologie liefert einer interessierten Stadt die Möglichkeit, auf ein neues und damit immer höheres Level zu kommen. Die Verbesserungen werden mit sozialen Werten verbunden, so dass die Anwendung der Technologie positiv besetzt ist. Kameras senken die Kriminalitätsrate, mobile Kreislaufmessgeräte ersetzen den Gang in die Arztpraxis, der Müll quillt in den Tonnen nicht mehr über – Sensoren melden, wenn die Kanister voll sind. Mit dem Müll kann man jetzt wenig Unfang anfangen. Wenn nicht nur das Krankenhaus, sondern auch die Krankenkasse die Daten lesen kann, wie sollen wir darauf reagieren? Wie reagieren die Versicherungen? Werden unsere Beiträge erhöht, wenn wir Gewohnheitsraucher sind und am Wochenende Alkohol zu uns nehmen? Was passiert, wenn die Menschen die Bilder verwechseln, wie bereits bei mancher Fahndungsaktion geschehen? Die Technologen antworten: Wir verbessern die Gesichtserkennungssoftware so, dass es keine Verwechslungen gibt. Minority Report erzählt eine andere Geschichte.

Zugegebenermaßen – die SF-Literatur gibt sich fast nur düster. Das löst keine Probleme, sondern sorgt bei diversen Lesern für Nervenkitzel. Die Problemlösungen liegen in der Anwendungsmöglichkeit neuer Technologien. Zugleich wäre eine Prüfung des ethischen Standards wichtig. In diversen Gesprächen auf der Messe und selbst bei Vorträgen des World Congress kamen diese Gedanken zu kurz. Der Kunde ist König.

Eingang

Smart City Expo Eingang

In einem abgetrennten Bereich finden Panels, Keynotes und Inspirational Talks statt. Die Chancen und Gefahren der Datentechnologien werden dort vorgestellt; neben Experten reden auch Vertreter von NGOs und vergleichbaren Organisationen, auch Vertreter der Industrie. Die Themen umfassen ein weites Feld: von Politischer Führung über Daten und Technologie über Mobilität bis hin zu gesellschaftlichen Aspekten der bestehenden und entstehenden Smart Cities.
Wenn diese Zeilen dystopisch klingen, dann nur, um ein Bewusstsein zu schaffen, dass Technologie an sich nicht gut ist, sondern erst der Gebrauch sie definiert.

Weitere Berichte werden folgen.

 

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