Dual Sessions #1

Sankt Georgen im Schwarzwald, 15. – 16. Juli 2017

Panel zum Thema Dual in der Geschichte. Durch einige Ab- und neue Zusagen hat sich der Fokus etwas von der Vergangenheit in die Gegenwart verschoben. Vinylkultur und die dazu gehörigen Vinyltechniken standen im Fokus. Leider fiel der Grammophon-Themen-Track aus – Turntablism blieb nach wie vor im Fokus. Turntablism fasziniert, weil daraus eine Haltung entwickelt werden kann – ein Umgang mit Schallplatten, eine Verwendung von Plattenspielern als Instrument.

Karin Weissenbrunner (City University, London) und Thomas Wicke (PH Ludwigsburg) gingen in ihren Vorträgen auf Vinyltechniken ein, die eine „Manipulation“ des Plattenspielers beinhaltet. Weissenbrunner besprach die Arbeit Mechanical Techno von Graham Dunning, der auch auf der Veranstaltung performte. Dunning folgt rhythmischen Mustern, bearbeitet Vinylplatten, so dass z.B. nur Teile dieser Platten abspielbar sind.
Wicke führte mehrere Techniken an, die in der Entwicklung des Hip Hop wesentliche Rollen spielen. Dual-Plattenspielermodelle waren darunter nicht zu finden. Das hängt möglicherweise mit dem Selbstverständnis der Firma zusammen. Dual hatte laut Norbert Kotschenreuther, einem weiteren Referenten am 15. Juli, kein Interesse am Disco-Segment. Home Entertainment war die Devise, und darin solide Qualität.

Dies war mitunter ein Grund, warum die Marke in der Popkultur nur peripher auftauchte. In Elvis Presleys Sterbezimmer zum Beispiel. Aber das ist eine andere Geschichte.

Dual Logo
Das Panel der 1. DUAL SESSION setzte einen ersten Überblick. Bewusst wurde der Fokus auf Vergangenheit, Gegenwart und ein wenig Zukunft gerichtet. Die Arbeitsatmosphäre war angenehm genug, so dass sich die Referenten und die Referentin gut eine Fortsetzung vorstellen könnten. Momentan arbeite ich mit dem Team ein  Buchkonzept aus.

Zur Vinylkultur wurde und wird viel in Bezug auf Retro geredet. Retro ist okay, Retro ist in manchen Genres schwer angesagt: Prog Rock zum Beispiel, Metal zudem. In Chartmusik wird auch gerne ein alter Klassiker neu verwendet, kontextualisiert. Aber in Bezug auf Vinyl empfiehlt sich Retro nicht mehr. Weil die klassischen Plattenspieler analog funktionieren und wir im Digitalen Zeitalter leben, wird Plattenhören automatisch retro? Damit verliert Retro an Aussagekraft. Wenn das auf der Hand liegt, dennoch den Begriff bemühen?
Retro kann auch ein Lebensgefühl ausdrücken; eine Hinwendung zu vergangenen Epochen der Mode, Musik und Haltung. Dann wäre es eine Sache von Privatleuten. Vinyl war nie ganz verschwunden. Wenn etwas nie ganz gegangen war, kann man zurückkehren? Retro = zurück?

Das sind mehrere Stränge. Sie sammeln sich auf einem Plattenteller der Marke Dual. Stories die sich um einen Ort drehen: Sankt Georgen im Schwarzwald. Eine Kleinstadt, die ein kosmopolitisches Treiben vermissen lässt. Vielleicht ist es gerade das: die Popkultur sucht sich die abgelegenen Gehöfte und Siedlungen, um abseits vom Schuß auf die Suche nach Coolness und neuen Geschäftsideen zu gehen. In Sankt Georgen etabliert sich Dual und später spaltet sich davon Perpetuum-Ebner ab.

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