Extreme Metal in Afrika

Die Marginalisierung des Themas hängt mit der Peripherie auf der Weltkarte zusammen. Welche Tourneen gelangen nach Botswana? Welche Metalgruppen aus diesem Land haben Popularität in Europa und Nordamerika, den wichtigen Absatzmärkten der Popkultur, erreicht? Diese rhetorischen Fragen führen nicht besonders weiter. Die Sicht verändert sich, wenn die Fragen etwas anders gestellt werden:

Was ist das Besondere an Overthrusts Sound? In der Metal-Fachpresse ist der Innovationsdruck bei der Bewertung von neuen Veröffentlichungen zu spüren. Was schon mal da gewesen ist, wird schlechter beurteilt. Das verdankt sich einem bestimmten Selbstverständnis der Musikjournalisten. Jedoch wird inzwischen so genannte Oldschool-Musik, die sich an den späten Achtzigern/ frühen Neunzigern orientiert, honoriert. Die viel beschworene Retromanie hat auch die Metalszenen erfaßt. (Wenn auch gerne authentisch musiziert wird im Metal, was aber mit einem hohen Geschichtsbewusstsein der Hörer einher geht. Eine kleine Fraktion hält den Glauben aufrecht, dass nur eine ganz bestimmte Form des metallischen Musizierens vertretbar sei.)

Größeres Aufsehen verursacht der Auftritt Overthrusts auf dem Wacken Open Air 2016. Ein kleiner Medienrummel entsteht. Fernseh- und Radiosender interessieren sich für die vier Musiker. Sat 1 schreibt in der TV-Binde Tshomarelo Mosakas Namen falsch. Er spielt den Bass und übernimmt das Growling. Zudem organisiert er die Kontakte und Auftritte der Band. Die Medien sind erstaunt. Metal aus Afrika ist ihnen nicht bekannt. Es scheint und sie antworten im Gespräch auch entsprechend, dass sie sich in ihrem journalistischen Alltag nie mit Metalmusik beschäftigen. Eine Death-Metal-Band aus Botswana jedoch erweckt das Interesse und so entstehen Berichte. Ohne Klischees zu berichten, fällt den Kollegen schwer. Selbst ertappe ich mich auch dabei. Overthrust kultivieren ein gewisses Cowboy-Image – wie andere Musiker ihrer heimischen Szene auch. Es entsteht ein T-Shirt mit der Aufschrift „Death Metal Cowboys“, auf Initiative von einem Crewmitglied. Overthrust nutzen die Einladung zum Projekt auf dem Hamburger Kampnagel für einige Konzerte. In Deutschland und der Schweiz. Pragmatische Überlegungen: es geht um Rock’n’Roll, die Chance nutzen,  in Europa Konzerte zu spielen. Würde man als deutscher Musiker einfach so nach Japan? Ohne Konzerte zu spielen?

Ziel des Projekts ist es, deutsche und botswanische Musiker im Metalsound zusammenzuführen. Das verfolgt in etwa das in der Metalszene bekannte Modell der Split-LP. Zwei oder auch mehr Bands tragen zu einer Platte bei. Sinn und Zweck einer Split ist es, entweder Coverversionen  des jeweils Anderen einzuspielen oder auf einer Veröffentlichung verschiedene Facetten einer Musikrichtung darzustellen. Das Botswana-Projekt ist die Afro-German Split of Black and Death Metal. Eine EP mit zwei Seiten, die vielleicht zur Long-Play erweitert wird.

 

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