Barbieri – Planets+Persona

Man könnte schon ahnen, wie sie klingt. Ein Keyboarder zeichnet sich für Synthesizer, Programming und zuguterletzt für Sounddesign (!) zuständig. Der Albumtitel lautet: „Planets+Persona“, umfasst also Planeten und den zweiten Begriff, der sich etwas komplexer ausgestaltet, zumindest, was die Interpretation betrifft.
Das heutige Wort Person stammt aus der antiken Dramenlehre, dass durch die Maske die Stimme durchtönt (per sona) und vermutlich denkt RICHARD BARBIERI an diese alte Verknüpfung.

Nähert er sich dem Thema von einer astrologischen Perspektive, so hängen die Planeten mit bestimmten Persönlichkeiten, Charakteren zusammen. Jedoch lassen die Titel der 7 Songs keinen Rückschluss auf ein solch durchgehendes Konzept zu. Einen roten Faden scheint es dennoch zu geben: in Verbindung aus jazzigen Elementen und einer souveränen Trippiness, die BARBIERI mit seinen Musikern durch Sprachsamples und eine zuweilen groovige Percussion erreicht, spielt sich vor dem hörenden Auge schon etwas in der Art eines Space-Trips ab.

Space-Trip – was für ein prahlerisches Wort! Ein Ungetüm, das man in den Kritiken zu dieser Scheibe finden wird. Macht euch auf die Suche! Ihr werdet es in den Weiten des Kosmos finden. Space-Trip taucht in den Texten der Stoner-Rocker Monster Magnet auf, Space-Trip nimmt bei Hawkwind stilprägende Bedeutung an und wird für die Psychedelic-Bewegung der 1970er zum Versprechen auf bewusstseinserweiternde Erfahrungen. Kurzum: Weshalb ordne ich dieses aktuelle Album des Porcupine-Tree- und Japan-Keyboarders unter die Planetenmusik?

Zunächst lasse ich mich von Titel und Artwork leiten. Das nenne ich Instinkt. Auch Bewältigung des Overkills. Unter Planetenmusik tauchen eben nicht alle mir zugänglichen Streams und Physikalia auf. „Planets+Persona“ gibt eine Richtung vor. Eine Verbindung zwischen Planeten und Persona. Also: Personen oder Figurationen? Diese komplixierte Frage stelle ich erstmal noch hintan. Musikalisch beschreitet Barbieri bekannte Felder, ihm bekannte Felder. Die Stücke klingen stellenweise wie seine eigentliche Band Porcupine Tree, die aber laut Mastermind Steven Wilson bis auf weiteres auf Eis liegt. So nimmt sich ‚Night Of The Hunter‘ großteils trip-hoppy aus. Das ‚Interstellar Medium‘ hingegen ist eher ethno-weltmusikalisch orientiert. Es mutet wie orientalischer Gesang an. Eine anthropopologische Schnittstelle? Das grundsätzliche Thema müsste da mitbeleuchtet werden. Die Kommunikation zwischen den Sternen bleibt, sofern sie unter der Lichtgeschwindigkeit bleibt, eine langwierige Sache. Man sendet Signale aus und wartet lange, bis etwas zurückkommt. Das Licht der Sterne scheint uns aus tiefster Vergangenheit an.

Ein interstellares Medium bleibt noch in der Fantasie. Musikalische Phantasie. Es wäre praktisch, diese Kommunikation zu haben. Doch nur, wenn wir Kontakt zu anderen Planeten hätten. Oder selbst welche besiedelten. Das steht noch im Konjunktiv. Bei Musikern, die im Prog Rock aufwachsen, steht Konzeptdenken hoch im Kurs. Alben behandeln Themen, jeder Track hängt mit dem vorigen und folgenden zusammen. An dieser Stelle sollte ich meine Abhängigkeit von diesem Rollenverständnis nicht übergehen. Mein großes Problem ist das Erzählenwollen. Vielleicht gibt es gar nichts zu erzählen?
In der Musikzeitschrift wäre diese Länge nicht möglich oder: der Leser möchte in der Rezension Wesentliches zur besprochenen Musik erfahren. Wie zum Beispiel, wie der letzte Track ‚Solar Storm‘ ganz nach Porcupine Tree klingt, bis hin zu den Drumbeats und Bassakkorden. Nun ist diese Musikgruppe für den Hörer relevant. Für den Urheber des Songs ist der Titel von irgendwelcher Bedeutung. Vielleicht hat er sich gedacht: Wenn das Album mit ‚Solar Sea‘ beginnt, soll es mit ‚Solar Storm‘ enden?

Die Qualität der Musik auf „planets+persona“ ist unabhängig von der thematischen Konsequenz. Und konzeptionell bin vor allem ich, da ich diese Rubrik Planetarische Musik gründe.
Richard Barbieri entwirft flächige Musik, ohne jedoch in Minimalismen zu verfallen. Auf dem Album ist eigentlich ständig Bewegung vorhanden. Vermutlich ließ sich Barbieri von der Planeten-Vorstellung zur Umsetzung der Ideen leiten. Die musikalischen Ideen sind dabei so planetarisch wie die Mondreiseberichte bis 1969.

RICHARD BARBIERI
planets + persona
Kscope/ Snapper Music
03. März 2017

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